Ehemalige Stipendiat·innen

Flavio
Flavio lebte mit seiner Schwester mehrere Jahre lang in einer Pflegefamilie des Vereins tipiti. Nach seiner Erstausbildung als Kaufmann EFZ mit Berufsmaturität hatte er sich zum Ziel gesetzt, an der ETH zu studieren. Da weder öffentliche Stipendien noch familiäre Mittel zur Verfügung standen, unterstützte Bildungschancen ihn mit einem Beitrag am Lebensunterhalt. 2024 schloss Flavio sein Studium mit ausgezeichneten Leistungen ab. Heute arbeitet er als Machine Learning Engineer bei einer Schweizer Bank und bringt sich als Vorstandsmitglied aktiv bei Bildungschancen ein.
Seydou
Seydou wurde in Burkina Faso vom Westafrika Netzwerk des SSI Schweiz als Strassenkind identifiziert und in seine Familie reintegriert. Der SSI blieb während der Schul- und Studienzeit in Kontakt mit dem Jugendlichen. Zusammen mit einem privaten Sponsor unterstützten wir Seydous Studium als Tiefbauingenieur in Tunesien. Als sich ihm die Gelegenheit bot, in Lausanne einen Masterstudiengang zu absolvieren, übernahmen wir die Finanzierung seines Lebensunterhalts in der Schweiz – eine Voraussetzung für die Aufenthaltsbewilligung.
Nach seinem Masterabschluss in Lausanne wurde Seydou von der Universität Lausanne ein Angebot für eine Assistenzstelle gemacht, die ihm gleichzeitig die Möglichkeit gegeben hätte zu promovieren. Leider wurde ihm jedoch vom SEM die erforderliche Arbeitsbewilligung verweigert, weshalb Seydou seine Forschung in Lyon fortsetzte und dort seine Doktorarbeit abschloss.
Bildungschancen durfte an der Verteidigung seiner Doktorarbeit und seiner Ernennung zum Doktor beiwohnen. Heute arbeitet Seydou in Lyon. Mit Kollegen hat er zudem ein Startup für Entwicklungsprojekte in Burkina Faso gegründet und einen Lehrauftrag an der Universität in Ouagadougou angenommen. Er ist hoch motiviert, mit seinem Wissen einen positiven Beitrag in seinem Heimatland zu leisten.
Kerfalla
Kerfalla kam 2013 mit seiner Familie in die Schweiz, als sein Vater als Diplomat an die guineische Botschaft in Genf versetzt wurde. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters verlor die Familie den Diplomatenstatus, wurde papierlos und war auf die Unterstützung von Hilfswerken angewiesen, da die Mutter nur eingeschränkt arbeiten konnte. Kerfalla absolvierte die Matura, hatte keinen Anspruch auf öffentliche Stipendien und wurde in das Förderprogramm von Bildungschancen aufgenommen. Mit Unterstützung der Caritas wurde ein Härtefallgesuch eingereicht, dessen Behandlung über drei Jahre dauerte. In seinem letzten Studienjahr erhielt Kerfalla, wie auch seine Mutter und Schwester, schliesslich eine B-Bewilligung. 2025 schloss er sein Informatikstudium an der Universität Genf erfolgreich ab. Er gründete mit Kommilitonen ein KI-Startup und unterrichtet an der Universität. Heute engagiert sich Kerfalla zudem aktiv als Vorstandsmitglied von Bildungschancen.
Merhawi
Merhawi kam 2014 in die Schweiz. Sie integrierte sich sehr schnell und schloss 2020 eine Lehre als Hauswirtschaftspraktikerin ab. Direkt nach der Lehre fand sie eine Anstellung in einem Pflegeheim, wo ihr auffiel, dass das Pflegepersonal häufig unterbesetzt war. Um ihre beruflichen Perspektiven zu erweitern, entschloss sie sich, eine Weiterbildung zur Pflegehelferin SRK zu absolvieren. Da die junge Frau die Kosten für diese sechsmonatige berufsbegleitende Ausbildung selbst nicht tragen konnte, übernahm Bildungschancen die Finanzierung des Kurses. Diese Unterstützung ermöglichte es Merhawi, sich beruflich neu zu orientieren und ihre Zukunft im Pflegebereich mit besten Aussichten zu gestalten. Heute arbeitet sie mit grosser Motivation und Hingabe in der Pflege.
Samuel
Samuel wuchs in Eritrea mit acht Geschwistern auf. Schon früh stand für ihn fest, dass er nicht wie sein Vater sein Leben in der Armee verbringen wollte. Mit 16 Jahren fasste er den Entschluss, aus seiner Heimat zu fliehen. Nach einer siebenmonatigen gefährlichen Reise erreichte er die Schweiz als unbegleiteter Minderjähriger und stellte ein Asylgesuch. Aber als das Staatssekretariat für Migration (SEM) seinen Antrag ablehnte, verlor Samuel jegliche Motivation und unterbrach über mehrere Monate hinweg seine schulische Ausbildung.
Der Verein Bildungschancen konnte ihm aufzeigen, dass es trotz seiner unsicheren Lebenssituation klüger wäre, sich beruflich zu qualifizieren. So entschloss sich Samuel, eine EBA-Lehre im Gartenbau zu absolvieren - die einzige realistische Ausbildungsmöglichkeit für papierlose Jugendliche. Nach dem erfolgreichen Lehrabschluss im Sommer 2023 begann er – seinem langjährigen Wunsch folgend – eine zweite Ausbildung als Lastwagenchauffeur, die von Bildungschancen finanziert wurde. Sein Ziel war es, dank dem Lkw-Führerschein eine feste Arbeit zu finden und seine Lebenssituation in der Schweiz nachhaltig zu stabilisieren.
Heute arbeitet Samuel als Chauffeur und Lagerarbeiter. Sein Antrag auf eine Aufenthaltsbewilligung B wurde nach 10-jährigem Aufenthalt in der Schweiz gutgeheissen, da er dank seiner Anstellung als Chauffeur eine Arbeitsbewilligung erhalten hatte und auch fürsorgeunabhängig wurde. Samuel kann sich nun eine Zukunft mit konkreten Perspektiven aufbauen.
Xana
Xana stammt aus Brasilien. Sie kam 2017 im Alter von 18 Jahren in die Schweiz und lebte zusammen mit ihrer Schwester bei ihrer Tante und deren Mann. Die wirtschaftliche Lage der Familie war schwierig, da die Tante arbeitslos war und Xana sowie ihre Schwester noch in der Ausbildung standen. Wegen ihrer fehlenden Aufenthaltsbewilligung schien eine Lehre in ihrem Traumberuf als Dentalassistentin für Xana zunächst unerreichbar. Daher entschloss sie sich, eine Ausbildung zur Bürokauffrau EBA zu beginnen. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Lehre mit Bestnoten absolvierte sie mehrere Praktika in verschiedenen Zahnarztpraxen und fand schliesslich eine Lehrstelle als Dentalassistentin EFZ.
Bildungschancen unterstützte Xana bis Sommer 2023 bei ihrem Lebensunterhalt. Danach wollte die junge Frau ihr Leben selbstständig bestreiten – mit der Zusicherung, dass wir sie im Falle eines finanziellen Engpasses weiterhin unterstützen würden. Im Sommer 2024 schloss Xana ihre Lehre mit Bravour ab und arbeitet heute erfolgreich auf ihrem Beruf.
Haile
Haile kam 2015 mit 18 Jahren in die Schweiz. Er war vor einer Zukunft ohne Perspektiven aus seiner Heimat Eritrea geflohen, denn er wollte nicht in die Armee eingezogen werden. Mit grosser Motivation lernte er Französisch und besuchte die Integrationsklasse. Sein Traum war es, an der Universität Genf Wirtschaft zu studieren, seine Lehrer sahen gute Chancen für ihn, ins Gymnasium aufgenommen zu werden. Doch als sein Asylgesuch abgelehnt wurde und Haile aufgrund häufiger Termine mit seinem Anwalt regelmässig die Schule versäumte, änderten die Lehrer ihre Einschätzung. Der Zugang zum Gymnasium wurde Haile verwehrt. Um nicht untätig zu bleiben, absolvierte er eine Lehre als Sanitärinstallateur EFZ. Bildungschancen leistete eine komplementäre Unterstützung zur Nothilfe, um ihm die ÖV-Kosten und die Mittagsverpflegung zu ermöglichen.
Haile schloss seine Lehre erfolgreich ab und erhielt kurz darauf den B-Ausweis. Heute arbeitet er als Sanitärinstallateur und bereitet sich auf die eidgenössische Prüfung zum Erwerb des Fachausweises vor.
Natnael
Natnael stammt aus dem somalischen Teil Äthiopiens. Im Alter von 14 Jahren wurde er in die Armee eingezogen und musste eine militärische Ausbildung absolvieren. Um dieser Zwangsrekrutierung zu entkommen, floh er und erreichte 2016 nach einer langen und gefährlichen Reise die Schweiz. Hier stellte er einen Asylantrag und begann, die französische Sprache zu lernen.
2019 begann Natnael eine EBA-Lehre als Assistent im Bereich Gesundheit und Soziales in einem Pflegeheim, in dem er nach seinem erfolgreichen Lehrabschluss im Jahr 2021 eine Festanstellung erhielt. Sein Arbeitgeber erkannte sein Potenzial und ermutigte ihn, die EFZ-Lehre als Fachmann Gesundheit zu absolvieren. Da Natnael mit seinem N-Ausweis keinen Anspruch auf ein öffentliches Stipendium hatte, wandte er sich an Bildungschancen mit der Bitte um Unterstützung während seiner zweijährigen Ausbildung.
Im Sommer 2025 schloss Natnael seine Lehre ab und arbeitet heute im gleichen Pflegeheim wieder in einem festen Arbeitsverhältnis. Sein Engagement und seine Motivation werden von seinem Arbeitgeber, den Arbeitskolleg·innen und Bewohner·innen sehr geschätzt. Natnael hat sich ein stabiles soziales Umfeld aufgebaut und scheint heute glücklich mit seinem Leben.
Asmerom
Asmerom floh im Alter von 17 Jahren aus Eritrea, um dem obligatorischen Militärdienst zu entkommen, da man in seiner Heimat nie weiss, wann – oder ob – man jemals wieder demobilisiert wird. Allein durchquerte er mehrere Länder und das Mittelmeer, bevor er 2015 in der Schweiz ankam. Sein Asylantrag wurde mehrfach abgelehnt. Erst im Februar 2022 erhielt Asmerom einen F-Ausweis, der ihm ermöglichte, im Herbst 2022, nach dem Abschluss seiner Lehre als Gärtner in der Pflanzenproduktion, eine Ausbildung im Pflegebereich zu beginnen. Diese Ausbildung hätte er gerne schon früher gemacht, jedoch war sie ihm aufgrund seines Aufenthaltsstatus zuvor verwehrt geblieben.
Während seiner Lehre unterstützte Bildungschancen Asmerom, indem wir die Kosten für seine Logopädietherapie übernahmen – eine Massnahme, die von der Sozialhilfe nicht finanziert wurde, aber wesentlich zu seinem erfolgreichen Lehrabschluss beitrug.
Asmerom arbeitet heute in einer Festanstellung im gleichen Pflegeheim, in dem er seine Ausbildung absolviert hat. Kolleg·innen und Senior·innen schätzen sein freundliches und aufgeschlossenes Wesen sehr. Dank der finanziellen Unabhängigkeit, die ihm seine Arbeit ermöglicht, sowie der Aufenthaltsbewilligung B, die er im November 2023 erhalten hat, kann Asmerom nun dauerhafte Perspektiven in der Schweiz aufbauen, wo er bestens integriert ist und einen grossen Freundeskreis hat.
Ward
Ward begann mit 4 Jahren, Klavier zu spielen. Mit 14 Jahren flüchtete er vor dem Krieg in Syrien. Mit einem Studentenvisum konnte Ward 2015 in die Schweiz einreisen und begann an der Hochschule für Künste in Zürich ein Klavierstudium, das er Ende 2022 mit einem Masterdiplom abschloss. Heute ist Ward gut in der Schweiz integriert, hat einen festen Freundeskreis und arbeitet als Klavierlehrer und Dolmetscher.
Fördermassnahmen wirken.
